Theater Foxfire

© Rainer Berson
 

FIEBERTRÄUME

Fieberträume im Dschungel Wien
Ein gelungenes und extrem lustiges Theaterstück zum Thema Fußball. Auch für Sport-Verweigerer geeignet. 

Ein Theaterstück über Fußball. Diese Tatsache bereitete mir aufgrund meiner nicht gerade ausgeprägten Leidenschaft für den "Sport des Jahres" ein mulmiges Gefühl. Ja ich habs verstanden! Die Fußball-EM findet dieses Jahr unter anderem in Österreich statt. Aber warum muss man die Jagd um ein Stück Leder jetzt plötzlich in diversen Kunstformen unterbringen? Angefangen hat alles mit diesem furchtbaren "Fußballett" am Wiener Opernball, bei dessen Erinnerung es mir jetzt noch kalt über den Rücken läuft.

"Fieberträume" ist da anders. Ein tolles Stück. Schauspieler die genauso gut Tänzer sein könnten. Eine Seltenheit. Im Dschungel ist es möglich.

Anpfiff! Es geht los. Ein fiktives Fußballmatch in Zeitlupe ist zu sehen. Zum ersten Mal habe ich die Zeit den Spielern ins Gesicht zu schauen und menschliche Interaktionen zu beobachten. Nach einer Minute bin ich längst überzeugt. Dann fallen sie zu Boden.

Story 
Joe Arthur Kowalski, ehemaliger Staubsauger-Vertreter, bekommt von einer "kryptischen Lady in Schwarz" den Auftrag eine Fußballmannschaft aufzustellen. Er trifft auf die unterschiedlichsten Charaktere. Sie alle sind von Ängsten und Selbstzweifeln zerfressen. Jeder einzelne hat seine Geschichte und seine Träume: "Ich werde ein junger Gott sein und in den Zimmern von tausenden Jungen und Mädchen hängen."

Probleme wie Sexismus am Fußballfeld, Angst vor dem Ball, egoistische Einzelspieler bis hin zu rassistischen Äußerungen gegenüber Teamkollegen werden thematisiert. Die Sprache des Stückes lässt einen trotzdem immer wieder laut auflachen: "Ich bin David Beckham, ich bin überall rasiert."

Klischees werden auf die Bühne geholt, die mit Joe, dem Trainer, in einem neonfarbenem Jogginganzug im 80er-Jahre-Stil samt Rollschuhen (es gibt tatsächlich noch Menschen die damit fahren können) ihren Höhepunkt finden.

Jean-Paul Sartre sagte einmal: "Beim Fußball wird alles verkompliziert durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft." Kann sein, dass man mich vielleicht doch noch bei der einen oder anderen EM-Übertragung zu sehen bekommt.

- KURIER, Stella Reinhold, 10.3.2008


Viel mehr als ein Fußballstück 
Auftakt zu "Kick & Stage" mit "Fieberträume"

Vordergründig sind viele Anklänge an das Spiel auf dem grünen Rasen zu finden: Der komplett umgebaute Raum, der an ein Fußballstadion erinnert: 90 Minuten Spieldauer, die Start-Kostüme, ein ballähnliches Ding mit Anklängen an ein "Fetzenlaberl". Und doch ist "Fieberträume" von TheaterFoxfire, mit dem kürzlich die Jugendtheaterschiene zur Fußball-EM "kick & stage" eröffnet wurde weit mehr.

Ein Manager, Johann Arthur Kowalski, Reisestaubsauger-Vertreter, rennt nach dem Bombeneinschlag durch die Wüste als wär eigentlich fast nix gewesen: "Blöde Sache, so eine Apokalypse, aber Schwamm drüber". Eine zeitweise an Marilyn Monroe erinnernde Mischung aus Gott und Teufel, die immer wieder unvermutet auftaucht und Kowalski beauftragt, ein neues Team zusammen zu stellen. Und dazu sechs Spielerinnen und Spieler, die auf der Suche nach der Arena, dem Stadion sind. Unterschiedlichste - sehr gut herausgearbeitete - Charaktere mit einer Gemeinsamkeit - kämpfen, teils ziemlich martialisch.

Vollster Einsatz

Mit vollstem Körpereinsatz springen, laufen, teils rollen (auf Retro-Rollschuhen) sie. Manchmal rasant, phasenweise wie in Zeitlupe. Von der Ignoranz einer möglichen Apokalypse, dem bedingungslosen Kampf bis zur zentralen Rolle des Äußeren (Beckham-Verschnitt) spannt sich der Bogen kritischer Gedankenanstöße. Die sind jedoch genau so wie die Anklänge an Fußball stets von einer kräftigen Portion Ironie gekennzeichnet. Viele Lacher und so mancher Szenenapplaus für Einzelleistungen aber vor allem für das gesamte Ensemble drängen sich immer wieder auf.

- KURIER, Heinz Wagner, 12.3.2008

Fieberträume

Zum Auftakt der Reihe Kick & Stage gibt`s im Dschungel Wien einen frühen Vorgeschmack auf die "dramatische" Präsenz des Themas Fußball im heurigen Jahr.

In "Fieberträume" von Benedict Thill (Text) und Corinne Eckenstein (Regie) geht es für eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe von jungen Menschen - Überlebende einer Art Apokalypse - darum, eine Mannschaft oder Gemeinschaft zu bilden, ein zerbombtes Stadion zu finden und damit nicht weniger als ein Heilsversprechen einzulösen. Für das junge Publikum (ab 15 Jahren)dürften vor allem die männlichen und weiblichen Fußballgötter- und Heldenbilder spannend sein: Da treffen Kämpferinnen á la Charlie´s Angel auf einen David Beckham - Freddie Mercury-Verschnitt (Manuel Löwensberg), und Marilyn (Eva Linder), die gute Hexe, ehemalige Hausmeisterin und letzte Bewohnerin des Stadions, nutzet ihre übersinnlichen Fähigkeiten, um sie Suchenden zu leiten. Über allem scheint ein großer anonymer Plan zu stehen - und ein kleiner köstlicher Trainer, gespielt von Helge Salnikau, der sich unbeirrbar bemüht, seine von menschlichen Abgründen und Schicksalsschlägen gezeichnete Truppe auf ein großes Finale vorzubereiten, da dann aber irgendwie ausbleibt.

- Falter, Bettina Hagen, 12.3.2008

Endstand 0 : 5

Unausgegorenes Stück gegen gutes Schauspiel-Team. Ein Theatermatch zur bevorstehenden Fußball-EM 2008, das ins Auge geht. Schauspiel für junges Publikum ab 15 Jahren von Benedict Thill.

Ganz richtig, 2008 ist das Jahr der Fußball EM

O.k., es ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn man sich thematisch mit diesem länderübergreifenden Ereignis beschäftigt. Fein, dass der Dschungel Wien Fußball und Theater im Rahmen der Theaterreihe Kick & Stage verbindet. Fieberträume jedoch, so der Titel der aktuellen Produktion, die am 7. März uraufgeführt wurde, erzeugt eher Ratlosigkeit und Konfusion im Kopf, und es taucht immer wieder die Frage auf, warum sich diese Story unbedingt mit Fußball verbinden will.

Fußball - Schlachtfeld - Projektionsfläche

Na gut, hier wird also eine postapokalyptische Sporttrashshow dargeboten. Junge Männer und Frauen verschiedenster Nationen rennen dem Ball nach, verzetteln sich in akrobatisch anmutenden Verrenkungen. Fußball als Schlachtfeld und Projektionsfläche. Rollenbilder der erfolgsgedrückten weiblichen und männlichen Spieler/innen werden hinterfragt, mehr oder wenig witzig aufbereitet und Mann und Frau fetzt in atemberaubenden Tempo 90 Minuten lang über die Bühne. Kurze Pausen sind gestattet, in denen verquere Lebensgeschichten erzählt werden.

Träume, Erfolgsdruck, Schmerz, Versagen - ja, es lässt sich einiges über Fußball sagen. Und da ist auch noch diese mysteriöse ältere Frau, die im Stadion lebt, und das Schicksal aller zu lenken versucht.

Trotzdem kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass dies ein schnell hingeschriebenes Stück ist, dessen Pressebeschreibung interessanter ist als das auf die Bühne gebrachte Ergebnis.

Eines ist  jedoch wirklich bemerkenswert: Hier agieren ausgezeichnete Schauspieler/innen, die es nicht unbedingt leicht haben.

Wie das jugendliche Publikum auf diese Produktion reagieren wird, ist eine offene Frage. Gewisse Aspekte wie die Homoerotik zwischen den Spielern oder der volle Körpereinsatz aller Akteur/innen gepaart mit witzigen Szenenfolgen werden sicher in Erinnerung bleiben. Wohin der Ball in den Köpfen sonst noch rollen wird, werden wohl die Publikumsgespräche nach den Vorstellungen zeigen.
- KULTURWOCHE.AT

"Ein tolles Stück. Schauspieler die genauso gut Tänzer sein könnten. Eine Seltenheit. Im Dschungel ist es möglich." von Stella Reinhold, Kurier

"Mit vollstem Körpereinsatz springen, laufen, teils rollen (auf Retro-Rollschuhen) sie. Manchmal rasant, phasenweise wie in Zeitlupe. Von der Ignoranz einer möglichen Apokalypse, dem bedingungslosen Kampf bis zur zentralen Rolle des Äußeren (Beckham-Verschnitt) spannt sich der Bogen kritischer Gedankenanstöße. Die sind jedoch genau so wie die Anklänge an Fußball stets von einer kräftigen Portion Ironie gekennzeichnet. Viele Lacher und so mancher Szenenapplaus für Einzelleistungen aber vor allem für das gesamte Ensembl,e drängen sich immer wieder auf." 
Von Heinz Wagner, KIKU