Corinne Eckenstein (Regisseurin und Schauspielerin) und Lilly Axster (Autorin und Regisseurin) haben 1991 gemeinsam TheaterFOXFIRE gegründet und seit 1992 jährlich zwischen einem und drei Stücken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene produziert.
Der Name FOXFIRE geht zurück auf das Buch „FOXFIRE. Die Geschichte einer Mädchenbande" von Joyce Carol Oates, das in seiner feministischen Konsequenz und utopischen Kraft Motor und Ansporn für unser Theater ist.
Thematisch kreisen unsere Stücke immer wieder um die Themen Sexualitäten/ Gender/ Queerness (u.a.“Schrilles Herz“, „Verhüten & Verfärben“, ES - E- IX“, „ Was ist los mit Daniela Dunioz?“, „Königinnnen“) und strukturelle Gewalt/ sexualisierte Gewalt (u.a. „Darksite“, „Pausen-Rehe & Platz-Hirsche“, „Der Schatten der Lawine“ „Gestohlenes Meer“) sowie die Suche nach Lebensentwürfen und Identität allgemein (u.a. „ Fieberträume“, Schwimmer im Treibsand“, „Chatroom“, „Wenn ich gross bin, will ich Fraulenzen“).
Wir sehen unsere Entwicklung von Stoffen weitgehend darin, offene komplexe Darstellungsformen und Themenzugänge zu finden, die viele mögliche Erzählweisen anbieten. Unsere Stücke befassen sich häufig mit konkreten Konflikten von Kindern und Jugendlichen, ohne aber erdrückend oder belehrend zu werden, da wir immer auf Lust, Spielfreude und Humor setzen und um die Vielschichtigkeit der Figuren ringen und Spaß am Absurden haben.
Unsere Theatersprache ist in vielen Ansätzen ähnlich und doch sehen unsere Inszenierungen sehr unterschiedlich aus. Wir haben Texte von anderen AutorInnen nachgespielt, Uraufführungen von eigenen Stücken herausgebracht und Projekte mit AutorInnen entwickelt. Im Vordergrund steht immer die Suche nach Dramaturgien und Bildern, die Fragen aufwerfen und überraschende Querverbindungen ziehen, also möglichst Räume öffnen. Unzufrieden sind wir, wenn das nicht gelingt und Figuren- und Handlungskonstellationen, die wir aufbrechen wollen, sich fort- und festschreiben.
Theater für ein junges Publikum
Unsere Erfahrung hat uns gezeigt, dass Überraschendes, Ungewohntes gut aufgenommen wird und die Bereitschaft, genau hinzuschauen, groß ist. Das betrifft sowohl die Stückauswahl als auch deren formale Ästhetik, Raumbespielung und Erzählweisen. Junge ZuschauerInnen sind nach unseren Erfahrungen neugierig und aufmerksam. Insbesondere auf der sprachlichen Ebene werden die jungen ZuschauerInnen immer wieder unterschätzt. Manchmal ist es für sie gewöhnungsbedürftig oder zunächst befremdlich, wenn ihnen auf der Bühne nicht der gewohnte Umgang mit Sprache begegnet, aber lassen sie sich einmal darauf ein, haben sie auch mit schwierigen Texten kein Problem. Der Sprache kommt in unseren Inszenierungen grundsätzlich ein besonderer Stellenwert zu: wir nähern uns nicht einer sogenannten Jugendsprache an, im Gegenteil verweigern wir uns diesem Gestus.
Lilly Axster arbeitet als Autorin mit einer Kunstsprache, die mit zentralen Elementen wie Verknappung und Lakonie Sprachräume aufmacht. Emotionen werden nicht auf der Oberfläche ‚beschrieben’, sondern der Emotionalität werden ’unter’ der Sprache liegende Räume geöffnet – als eine Art emotionaler Subtext, der sich entfalten kann. Ein ähnlicher jedoch entschieden doppeldeutiger Sprachgestus bestimmt auch die gemeinsam mit Benedict Thill entwickelten Stücke.
Dabei ist uns in der Stückanlage wie der Sprache wichtig, dass auch ernste Themenfelder Humor und Ironie enthalten und möglichst jeglicher pädagogische Gestus vermieden wird.
Mit Stücken wie „Schwimmer im Treibsand,“, „Fieberträume“, aber auch schon mit „cyberflug der rebellinnen“ haben wir immer wieder Themen und Dramaturgien entwickelt, die sich nicht nur mit den konkreten Lebenswelten von Jugendlichen befassen, sondern mit gesamtgesellschaftlichen Themen und Existenzfragen, die Jugendliche genauso bewegen wie Erwachsene. Es geht um die Schaffung von Denk-, Erlebnis-, Spiel- und Handlungsräumen für individuelle, offene Lebensentwürfe. Es geht dabei auch um die Integration partiell nicht erklärbarer Dinge im Leben.
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