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MATILDA!
 
 
 
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MATILDA!

KURIER mobil 16.11.2008

Schlafengehtheater

Matilda!!: Witziger Kinderalltag mit dem Theater Foxfire

„Zu Ihren Diensten, wie befohlen die Socken ohne Sohlen, das Hemd frisch püriert und das Kleid leicht mariniert, lassen Sie es sich schmecken, ich werde den Tisch gleich decken“, meint Papa in der Rolle des Butlers. Tochter Matilda (6) kontert: „Das ist ja unerhört. Sie haben sich wohl verhört. ich wollte keine Palatschinken auf Strümpfen und das Kleid ist mir zu geblümt und die Schuhe nicht einmal gebügelt.“
Ziemlich schräg geht's in „Matilda!!“ zu. Das Bühnenstück nach einer Idee und unter der Regie von Corinne Eckenstein entstand weitgehend in Zusammenarbeit mit dem schauspielenden Trio Jessyca Hauser, Manuel Löwenberg und der Musikerin Maren Rahmann.

Genial und treffsicher wird – umrahmt vom Konflikt ums Schlafengehen – die Beziehung des Mädchens zu Vater und Mutter erzählt. Die Konzertmusikerin ist zwar fast immer unterwegs aber doch – per witziger Telefonate bzw. dank ihrer Musik – ständig präsent.
Das Bühnenbild, das an eine Art Bilderbuch erinnert, viele skurille Requisiten und die Kostüme runden die witzige Geschichte mit philosophischen Anflügen, sowohl der Tochter als auch der Eltern, genial ab.
-Wag

 

Vorbericht: GERHARD STÖCER

Matilda ist empört. Ihr Papa war nach dem Aufwachen noch zu müde, also hat sie einen Butler bestellt. Um Papa munter zu kriegen. Und natürlich auch, um zu bekommen, was sie will. Schinken mit Ei, Erdbeertörtchen mit Schlag, Kaviar mit Kompott und alles ganz flott.

Anstatt des feudalen Frühstücks ser­ viert der als Butler verkleidete Papa seiner Tochter allerdings ihr Gewand. „Das ist ja unerhört", schimpft die selbstbewusstte Sechsjährige und regt sich nicht nur über das fehlende Frühstück auf. „Das Kleid ist mir zu geblümt und die Schuhe nicht einmal gebügelt."

Matilda ist eine sehr eigenwillige Person. Sagt zumindest Corinne Eckenstein, und die muss es wissen. Schließlich hat sie Matilda kreiert, als zentrale Figur ihres gleichnamigen Theaterstücks für Kinder, das im Rahmen von Dschungel Wien Modern seine Premiere erleben wird. Wobei - ist Matilda wirklich so eigenwillig? „Sie ist ein Mädchen, wie es sie millionenfach gibt", sagt Eckenstein. „Ein Mädchen, das Wünsche und Bedürfnisse an die Erwachsenenwelt sendet und nicht immer das Resultat erhält, das sie sich erhofft oder erwünscht." Ein ganz normales Mädchen also, gar nicht ausgesprochen frech, ausgesprochen klug, ausgesprochen anders?

Die seit den frühen 90ern in Wien lebende Schweizer Schauspielerin, Tänzerin, Regisseurin und Mitbegründerin der Gruppe Theater Foxflre winkt amüsiert ab. „Ach, das sind diese Kinder doch alle! Ausgesprocsen frech, ausgesprochen klug, ausgesprochen nervig, ausgesprochen anstrengend und ausgesprochen liebenswert." Also doch ein ganz normales Kind. Und damit auch ein Kind, dem gelegentlich langweilig ist und das dann intensive Zuwendung will - ganz egal, was der Zeitplan der Eltern gerade vorsieht.

Vorallem Papas Zeitplan ist in Matildas Fall das Problem. Mama ist als berühmte Sän­ gerin viel unterwegs, im Stück aber auch als Abwesende stets präsent. Durch Töne und Musik, die den Raum erfüllen, die Matilda selbst erfüllen. „Außen bin ich Papa und innen klinge ich wie Mama", sagt die Kleine. „Ganz viele verschiedene Geräusche, Töne, Stimmen. Es summt und quiekt und zirpt und klingelt in mir. Dann ist Mama überall."

Matildas Eltern sind nicht immer einer Meinung, gerade auch in erzieherischen Fragen. Ganz wie im echten Leben eben. „Kinder brauchen Grenzen", sagt Papa, und Mama macht sich darüber lustig. „Unser Kind ist sehr philosophisch", nimmt Papa einen vorsichtigen neuen Anlauf. „Sie sagt nie Ja oder Nein, bleibt immer irgendwie dazwischen, das gibt ihr mehr Raum für ihre Entfaltung." „Sie erzieht sich selber", antwortet Mama. „Ich finde, sie sollte ihr Zimmer aufräumen", resümiert Papa. „Wir sollten ihr das Gehorchen abgewöhnen", erwidert Mama trocken.

Und Matilda? „Manchmal sprechen Mama und Papa nur Blödsinn", meint sie. „Ich bin Matilda! Mich muss man nicht erziehen. Ich kann mich alleine anziehen, ausziehen, umziehen, Haare ziehen, Ohren ziehen, Decke wegziehen, Hosen runterziehen, das Gesicht verziehen ..." Aber keine Angst, pädagogische Grundsatzfragen werden in „Matilda!" nicht gewälzt. Das Stück zeigt das liebevolle Tauziehen zwischen Papa und Tochter, das Einfordern von Zuwendung und die Unmöglichkeit, alle kindlichen Wün­ sche gleichzeitig zu erfüllen. Vor allem aber handelt es von einer ganz grundsätzlichen Frage: Wie lassen sich die Bedürfnisse eines Kindes und jene seiner Eltern vereinbaren?

Ais zweifache Mutter sucht Corinne Ecken­ stein die Antworten aus dem eigenen Familienalltag. „Die Reibung dieser unter­ schiedlichen Bedürfnisse ist ungemein spannend", sagt die Schweizerin, die schon mit 13 einen eigenen Zirkus gründete und mit 15 wusste, dass sie nicht in der Schule, sondern auf der Theaterbühne glücklich werden würde. „Das Missverständnis und das Verständnis, die Konflikte, die sich daraus ergeben, die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Erwachsenen und Kindern. Wobei Matilda!' keine Antworten liefert, sondern davon handelt, immer wieder in der jeweiligen Situation zu agieren. Zu reagieren. Oder auch einmal gar nicht darauf einzugehen."

Im Theater sollen dabei nicht nur die Kinder auf ihre Kosten kommen. „Sie sollen Spaß und Freude an dem Stück haben", sagt die Regisseurin. „Wir wollen auf einer anderen Ebene aber auch ihren Eltern etwas erzählen, die sich wahrscheinlich nicht nur einmal im Geschehen auf der Bühne wiedererkennen und vielleicht auch ein paar Fragen stellen werden - ,Was tun wir uns da eigentlich immer an?', zum Beispiel."

Matilda wird durch Jessyca R. Hauser verkörpert, eine 18-jährige Autodidaktin, die Eckenstein im Rahmen ihrer Jugendtheaterarbeit entdeckt hat. Den gutmütigen Vater gibt Manuel Löwensberg, die Mutter spielt Maren Rahmann, von der auch die Livemusik kommt. Ihr zentrales Instrument ist das Akkordeon, dessen vielfältige Klangmöglichkeiten erforscht werden, dazu kommen vor allem auch Spielzeuge und alltägliche Gegenstände als Musikmaterialien.

„Es soll keine begleitende, illustrierende oder stimmungsmachende Musik sein", erklärt Eckenstein. „Sie kommt aus der Figur der Mutter, entspringt den alltäglichen Tätigkeiten, das hat einen Aspektvon Minimal Music. Dass das Ergebnis nicht immer wohltuend klingt, heißt aber natürlich nicht, dass die Musik bemüht disharmonisch ist. Es geht einfach um einen spielerischen Umgang damit und auch um einen spielerischen Zugang zu nicht ganz alltäglichen Formen von Musikdarstellung im Theater."

 

 

 

 

 
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